Donnerstag, 2. Oktober 2014

Kein Selfi mit Kardinal Müller? Schade!

Wir leben in einer visuellen Welt. Zu einer richtigen Nachricht gehört ein Foto. Das Phänomen geht so weit, dass Meldungen aus Kriegs- und Krisengebieten mit Fotos bebildert werden, die gar nicht zeigen, was sie zu illustrieren vorgeben.

Kürzlich sorgte eine – eigenartig bilderlose – Meldung für ein kurzes Rauschen im katholischen Blätterwald: Nach längerer Funkstille trafen sich Gerhard Ludwig Kardinal Müller und Bernhard Fellay, der "unerlaubt" geweihte Bischof und Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. (Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii Decimi FSSPX) im Vatikan. Je nach "ideologischer" Ausrichtung wählten die jeweiligen Medien dazu Bilder aus ... nur ein echtes Foto der wirklichen Begegnung wurde nicht publik. War bei den Beteiligten die Sorge zu groß, dass eine(r) der Abgebildeten zu freundlich oder fröhlich (oder auch frustriert) schaute und dieser Blick zu Interpretationen Anlass geben könnte?

Im offiziellen "Kommuniqué" der Bruderschaft war von "herzlicher Atmosphäre" die Rede und dass man den Austausch suchen wolle, um "auseinanderweichende Punkte" zu klären. Der Vatikan teilte mit, die Begegnung habe im "herzlichen Klima" stattgefunden und man habe über einige "Probleme lehrmäßiger und kirchenrechtlicher Natur" gesprochen und wolle diese mit dem Ziel der "vollen Aussöhnung" überwinden. Klingt ein wenig wie "hat sich bemüht..." im Arbeitszeugnis.

Ich glaube ja gern, dass das Treffen selbst für die Beteiligten nicht unangenehm war. Im Grunde ging es dabei um nichts, denn alle Probleme sind längst benannt, der Streit längst gestritten und die Positionen klar. Der eine Partner sagt: es gibt eine "Präambel" und nur durch diese Pforte geht es rein; der andere Partner sagt: wir würden ja durch diese Pforte gehen, aber wir haben Angst vor dem, was uns hinter der Tür erwartet... Schlimmstenfalls ist es nämlich Fidenzio Volpi, der dann nach den Franziskanern der Immaculata auch mit der Piusbruderschaft "Schlitten fährt". 

Dass die Querelen rund um diesen traditionalistisch überzuckerten oder unterfütterten neuen franziskanischen Orden einen Widerhall in der Szene rund um die Piusbruderschaft finden, zeigt Bischof Fellay eindrucksvoll mit seiner Predigt bei der Wallfahrt des deutschen Distriks nach Fulda, wo er die "Zerstörung der Franziskaner der Immaculata" anprangerte (das war noch vor dem Besuch bei der Glaubenskongregation). Den "wahren Grund" für die Visitation dieser Gemeinschaft und die Einsetzung eines apostolischen Kommissars (durch Papst Benedikt) sieht er darin, dass die Gemeinschaft begonnen habe "über das Konzil zu sprechen". Er bedauert ausdrücklich, dass die marianischen Franziskaner nicht wagen würden, sich gegen den Vatikan zu wehren. Fellay behauptete, dass zwei Drittel der Franziskaner eine neue traditionalistische Gemeinschaft gründen würden, wenn es ihnen denn erlaubt würde (andere Quellen sprechen allerdings von 30 Austrittswilligen bei 300 Mitgliedern). Bischof Fellays Fazit: "So wollen wir nicht enden." 

Vor diesem Horizont kann man froh sein, dass im Hause Müller eine "herzliche Atmosphäre" geherrscht haben soll. Hoffentlich hat Bischof Fellay seine Sorgen nicht nur bepredigt sondern auch offen angesprochen und dabei in "herzlichem Klima" vielleicht auch einen kleinen Einblick in die Probleme dieser jungen Gemeinschaft bekommen, die womöglich nicht nur in der alten Messe und einer zu eng geführten Theologie begründet sind. Da Papst Benedikt XVI. höchstselbst die Visitation veranlasst hatte, mag ich nicht so recht an Umtriebe einer allzu liberalen Kurie glauben. Offizielle Stellungnahmen gibt es hierzu leider nicht, aber der Furor, mit dem interessierte Kräfte die Visitation kirchenpolitisch vereinnahmen, macht mich ausgesprochen skeptisch. Ob da auch wohl Kommentatoren dabei sind, denen eine weitere Annäherung zwischen Piusbruderschaft und offizieller Kirche ein Dorn im Auge wäre?

Ich kenne Bischof Fellay nicht und bin auch Kardinal Müller nur einmal persönlich begegnet. Bernhard Fellay erscheint mir in Texten und Videos jedenfalls als sympathischer, besonnener, kluger und ausgleichender Mann. Mein Eindruck ist, dass beide Kirchenmänner sich herzlich begegnen können und auch in manchen Punkten der Betrachtung des ganzen breiten Themenfeldes, das sich im Umfeld der Problematik der Piusbruderschaft auftut miteinander reden können und manchmal auch ähnlich denken. Müller ist ein gebildeter Dogmatiker und guter Denker. Und er ist sehr klar, wenn es darum geht, was machbar ist und was nicht. 

Zur Zeit wird viel über Salafismus diskutiert und darüber, was das mit dem Islam zu tun habe. Mein Eindruck ist, dass es durchaus gedankliche Verbindungslinien gäbe, dass man die Bruderschaft durch diese Brille auch einmal (soziologisch) als Salafisten des Katholizismus betrachten dürfte. Sie nehmen für sich in Anspruch, einen besonders "reinen" und "ursprünglichen" Katholizismus zu leben, der auf die eigentlichen Quellen und die reiche Tradition des christlichen Glaubens und die Kirchenväter zurückgeht. Ganz ähnlich argumentiert ja auch mancher Salafist. Natürlich wird sich ein Freund der Piusbruderschaft wegen der Gegnerschaft, die diese auch zum Islam(ismus) kultiviert, über den Vergleich empören, aber ganz abwegig und unangemessen ist er wohl nicht. Die Piusbruderschaft setzt klar auf die Herrschaft der göttlichen Gebote auch in einer säkularisierten Gesellschaft; sie hält sich für den "heiligen Rest" einer Kirche, der sich über die Umbrüche des 2. Vatikanums in die heutige Zeit gerettet hat. Auch wenn sie sich der "Erneuerung des katholischen Priestertums" widmen will, so ist mit Erneuerung hier eher Restauration gemeint. 

Ich halte gar nichts von eine Dämonisierung der Piusbruderschaft, wie es vielfach geschieht, erst recht nach der "Panne" mit dem Exzentriker und Holocaustleugner Bischof Richard Williamson. Manchen geistlichen Text aus den Mitteilungsblättern der Piusbruderschaft lese ich mit Gewinn. Die Piusbruderschaft bewegt sich im Allgemeinen in vernünftigen Grenzen, denn im bunten Reich des Traditionalismus ist vieles möglich. Wer einmal etwas über das Leben von Luigi Villa gelesen hat für den dürfte die Piusbruderschaft ihren "Schrecken" verloren haben. (Im Übrigen ist Don Villa leider nicht die einzige obskure Figur vom Rand der Kirche; mehr über ihn findet man in einem wunderlichen Artikel auf http://gloria.tv/?media=364501&language=oe7Kk4CL1hU),  Wenn es der Bruderschaft gelänge, solche Typen einzubinden, bevor sie vollends abdrehen (und sie somit "unschädlich" zu machen) dann hat sie sich schon um die Kirche verdient gemacht. Aber dies nur am Rande!

"Die Priester, die katholisch bleiben wollen, haben eine strenge Pflicht, sich von der Konzilskirche zu trennen! bis sie (Rom) die Tradition der Kirche und den katholischen Glauben neu entdeckt haben wird." Dieses (und manche ähnliche) Worte gab Erzbischof Marcel Lefebvre seinen Anhängern mit auf den Weg. Neben seinen sicher lesenswerten geistlichen Texten steckt in solchen Worten ein nicht zu unterschätzender Zündstoff. Seinem Nachfolger Bischof Fellay wird von Teilen der Bruderschaft bereits jetzt vorgeworfen, dass er allein mit "herzlichen" Gesprächen schon das Erbe des Gründers verrät. Denn es ist keineswegs damit zu rechnen, dass "Rom" einen Weg zurück hinter die Veränderungen und Reformen des Konzils antreten wird. In der in oder anderen Frage mag es eine Rückbesinnung geben, aber insgesamt geht die Kirche, geführt durch den Hl. Geist ihren Weg durch die Zeit. Das hätte allerdings auch "der Erzbischof" in den letzten Jahren seines Lebens und Wirkens einsehen müssen und die Weichen für die Bruderschaft entsprechend stellen sollen. Selbst eine Kirche, die sich wieder neu auf die Theologie, Frömmigkeit und Pastoral vor dem 2. Vatikanum ausrichten würde, wäre nicht (mehr oder wieder) die Kirche, auf die "der Erzbischof" wartete. Der emeritierte Erzbischofs von Poitiers, Albert Rouet, kommentierte solche Hoffnungen so: "Die Vergangenheit wirkt so beruhigend, weil sie tot ist." Der inzwischen aus der Piusbruderschaft ausgeschlossene Bischof Williamson facht inzwischen mit Verweis auf Marcel Lefebvre das Feuer an und unterhält Kontakte zu den Revoluzzern, die sicherlich bei einer Annäherung beider Seiten unmittelbar eine Piusbruderschaft 2.0 gründen werden. Schon werden aus dieser Ecke die treuen Anhänger Fellay's als "Neo-Piusbruderschaft" bezeichnet. 

Dabei ist Fellay verbal ausgesprochen eindeutig und klar, in der schon zitierten Predigt vom 7.9.14 sagt er: "Wir sind unglaublich empört, wir vereinen uns mit dem Zorn Gottes und wir beten. Was wir mit dem neuen Papst sehen, ist eine deutliche Verschlimmerung der Sache. All diese Irrtümer, diese falschen Haltungen, diese Annäherung an die Welt, die werden jetzt beschleunigt, zum großen Leiden der Kirche." .... "Wir gehen nach Rom, wieder einmal gerufen, wir werden einfach wiederholen, was wir immer sagen, nichts anderes. Wir halten fest an ... all dem, was das Katholische gemacht hat über Jahrhunderte..." 

Im Vatikan dagegen ließ Kardinal Müller mit Blick auf die dogmatische Präambel und das Bild von der Tür in der für ihn typischen Prägnanz verlauten: "Diese Tür steht offen, wir schließen sie nicht. Aber es gibt auch kein Hintertürchen."

Mir wird immer klarer, warum aus dem Projekt einer "Eingliederung" der Piusbruderschaft in die "offizielle" katholische Kirche nichts werden kann. Denn es geht nicht nur um "kleine" kirchenrechtliche (also quasi technische) Probleme, wie z.B. die Frage, in welcher rechtlichen Struktur man die Bruderschaft möglichst frei vom Einfluß möglicherweise mißliebiger Ortsbischöfe halten kann (Personalprälatur?).

Man sollte in all den Spekulationen und Strategien nicht vergessen: Ein, wenn nicht gar "der" Existenzgrund der Piusbruderschaft ist schlicht der "sichere" Abstand zur Kirche und die hierdurch gegebene Eigenständigkeit, die in dieser Form (in der und mit der Kirche) nicht zu halten sein wird. Ob man diese bequeme Situation um der Einheit und um zusätzlicher pastoraler Wirksamkeit willen aufgeben möchte? Ich denke, die klugen Köpfe in der Bruderschaft wissen, dass "die Grenzen des Wachstums" beinahe erreicht sind. Es mögen zwar noch eine Reihe von Priestern hinzu kommen (quasi antizyklisch zur Situation in diözesanen Seminaren), die Bruderschaft wird noch das ein oder andere Priorat oder einen Messort eröffnen... aber ohne die Verzahnung mit der Kirche bleiben sie eine relativ bedeutungslose Gruppe. 

So hat die FSSPS heute ein selbst gewähltes und selbst gestaltetes Reservat. Hier herrscht die "reine Lehre", jeden Abweichler kann man getrost zur Petrusbruderschaft oder in den Sedisvakantismus abgeben oder demnächst zu einer Piusbruderschaft 2.4 oder Marcel-Bruderschaft, die sich um "Bischof" Williamson gründen mag. "Publikum", auch finanziell potent, wird es wohl immer geben auch für eine neu gegründete Piusbruderschaft, wenn wider Erwarten einmal die offizielle Piusbruderschaft in die Kirche eingegliedert würde. Aber auch ich frage mich: was genau wird sie dann davor bewahren, (theologisch und pastoral) eine Petrusbruderschaft 2.0 zu werden, wenn auch womöglich mit einer größeren kirchenjuristischen Eigenständigkeit und eigenem Bischof? Es ist überhaupt nicht abzusehen, dass es bei einer Einigung meinetwegen zum 18.7.2018 anders laufen würde als 30 Jahre zuvor mit der Petrusbruderschaft. Möglicherweise haben wir damit eine neue ruthenische (marcellinische) Kirche unter dem Primat des Papstes irgendwie uniert und integriert und das Problem damit verkleinert. Aber mehr wird nicht zu erreichen sein.

Mit der eigenen Propaganda hat die FSSPX sich das Potential an Unzufriedenheit mit der "Konzilskirche" über Jahrzehnte sorgfältig selbst geschaffen und ausgebaut. Aus den Argumentationsmodellen kann man im Grunde nicht mehr entkommen, ohne sich selbst den Boden unter den Füßen zu entziehen. Der "heilige Rest" der Priester und Gläubigen, die sich für die einzig wahre Kirche und die römische Kirche unter dem Papst für "konzilsverseucht" halten, dieser Rest wird bleiben.

„Das, was die Piusbrüder vertreten und was die Lehre des Konzils ist, zu der sich die Päpste ausnahmslos bekennen, ist diametral entgegengesetzt“, meint dazu der emeritierte Professor für Dogmatik  Wolfgang Beinert (ehemaliger Assistent von Joseph Ratzinger) in einem „Domradio“-Interview. Es gebe daher nur eine Einigung, wenn einer nachgebe. „Und das würde für beide Seiten den theologischen Selbstmord bedeuten... Den kann der Papst nicht begehen und den kann auch die Piusbruderschaft nicht begehen, sonst gäbe sie sich selber auf“, so Beinert weiter. 

Wenn ich dem Dogmatiker im ersten Teil auch nicht zustimme, so hat er im letzten Halbsatz in jedem Fall recht. Die "Einheit" mit "Rom" wäre für die Bruderschaft tatsächlich riskant. Eine Einigung mit der Glaubenskongregation wäre für die Bruderschaft zum heutigen Zeitpunkt gleichzusetzen mit dem Eingeständnis, an den eigenen Zielen gescheitert zu sein. Diese Tatsache werden interessierte Kreise unmittelbar zu nutzen wissen. Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen das Risiko nicht sehen und kann mir daher nicht vorstellen, dass sie ein solches "Experiment" riskieren. Obwohl es für beides Seiten not-wendig wäre, aufeinander zuzugehen. Die Bruderschaft kann ohne den Bezug zum Hl. Vater und zum wirklichen (nicht nur gefühlten Rom) auf Dauer nicht katholisch bleiben. Und der Hl. Vater und der Vatikan kann nicht akzeptieren, dass eine Gruppe, die sich für katholisch hält und wohl auch ist; dass einige hundert Priester, die im Hochgebet für Papst Franziskus beten, getrennt von ihm existieren. Der aktuelle Tweet des Pontifex "Die Spaltung innerhalb einer christlichen Gemeinschaft ist eine sehr schwere Sünde; sie ist ein Werk des Teufels." gilt auch hier. 

So ist es mit beiden wie mit manchem (Ehe-)paar. Sie können nicht zusammen, aber sie können auch nicht getrennt leben. Aber vielleicht ist ja ein solches "Bruderschaft" - gewordenes Fragezeichen ein beständiger und hilfreicher (geistgewollter) Dorn im Fleisch einer hier und da bequem gewordenen Theologie und Glaubenspraxis. 

Man wird aber nicht den Fehler begehen, in der Piusbruderschaft den Hort der reinen jesuanischen Lehre zu sehen und ihr die Stellung zu geben, die eigentlich der Bibel und der Überlieferung der authentischen Tradition zukommen. Dazu ist die Bruderschaft ideologisch und theologisch zu eng. Allenfalls ist sie eine legitime Ausdrucksform des Katholizismus. 

Der Wahlspruch der Bruderschaft: "Instaurare omnia in Christo" meint recht verstanden – in Christus alles erneuern, nicht in Christus alles "restaurieren". Bei der gesamten Diskussion kommt mir manchmal das Bild eines uralten Kreuzes in einer Kirche in den Sinn. In der jüngeren Vergangenheit war es oft so, dass man solche Kreuze regelmäßig "restauriert" hatte, wobei man sich an der noch vorhandenen letzten Farbfassung orientierte. Manchmal führte das zu einer eindeutigen Verschlimmbesserung des Kunstwerkes, das von zahlreichen Farbschichten überlagert wurde. Heute schaut man mit großem Aufwand nach, wie die ursprüngliche Farbfassung gewesen ist. Und lässt dann aber lieber die Spuren der Jahrhunderte sichtbar, als durch eine "stimmige" Restaurierung den Eindruck zu vermitteln, man habe ein makel- und zeitloses Kunstwerk vor sich.

Eine Einheit im Sinne des Papstes wird nur möglich sein, wenn die Bruderschaft sich in Teilen vom ansonsten sicher verdienstvollen Nachlass ihres Gründers verabschiedet und anerkennt, dass es auch neben dem Spektrum der von ihnen aktuell als authentisch anerkannten Glaubenslehrern noch weitere gute Theologen und Lehrerinnen gibt. Möge es Ihnen geschenkt werden, zu entdecken, dass die Erneuerung nicht nur in der römischen Kirche sondern auch in der Bruderschaft selbst zu beginnen hat. 

Der Hl. Papst Pius X. (dessen 100. Todestag wir in diesem Jahr (am 20.8.) feiern konnten) stellte sein Wirken unter das Leitwort "Omnia instaurare in Christo" und führte eine Reihe von Reformen durch, die teils massiv mit liebgewordenen Traditionen brachen, das katholische Leben umgestalteten und es teilweise noch bis auf den heutigen Tag prägen (allsonntäglicher Kommunionempfang, frühe Erstkommunion u.s.w.).
In seiner ersten Enzyklika schrieb er: "Im Vertrauen auf Gottes Kraft legen wir Hand ans Werk und erklären, daß das leitende Ziel Unseres päpstlichen Waltens das ist: "in Christus alles zu erneuern", auf daß "Christus alles in allem sei". Weise sieht er dabei voraus: "Es wird gewiß nicht ausbleiben, daß man das Göttliche mit dem Maßstabe des Menschlichen mißt, die Absichten Unseres Inneren zu ergründen und im Sinne weltlicher Bestrebungen und Parteiziele zu deuten sucht." ... "Wenn daher jemand von Uns einen Wahlspruch verlangt, der die Ziele unseres Innern offenbart, so werden Wir Uns immer zu dem einen bekennen: "Alles zu erneuern in Christus".

Der heilige Papst verweist in seiner Enzyklika auf den 10. Vers des 1. Kapitels des Epheserbriefes, wo dieses Wort in der heutigen Einheitsübersetzung lautet: "Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist." Dieses Wort beschreibt sehr zutreffend, was wir alle in der Nachfolge des Hl. Giuseppe Sarto gemeinsam anstreben sollten, ob wir nun skeptisch auf dessen Amtsnachfolger Franziskus schauen oder von diesem eine grundlegende Erneuerung der Kirche erhoffen. 

Kommentare:

  1. In einem Punkt haben Sie völlig recht es gibt Inhaltlich kaum einen Unterschied zwischen Papst Franz und Papst Benedikt und daß es auch ihm nicht gefallen hat daß die Franziskaner der Immakulata über die Liturgie hinausgehen , er selbst wollte die gesammte Problematik stehts auf eine Liturgische reduzieren, darauf hin hat er eine Visitation angeordnet allerdings weiß ich nicht ob er diesen Visitator ernannt hat, der sich auf führt wie der berühmte Elefant im Porzelnanladen (2 Ermahnungen und das Straf Dekret auf einmal schickt)

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  2. "Salafisten des Katholizismus" ist ein unglücklicher Begriff, denn so kategorisieren Sie posthum alle Priestergenerationen (und irgendwie auch alle Laien) vor der Rezeption der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils, die exakt jenes Glaubensverständnis und jenen Traditionsbegriff lebten, den die FSSPX vertritt, zu radikalen Katholiken. Ganz dünnes Eis! Aber letztlich auch bezeichnend. Für den nachkonziliaren Theologen gibt es nur zwei Kirchen-Modelle: Das gute nach Vaticanum II und das wenig gute weil radikale, unökumenische, unbarmherzige, anti-interreligiöse, den Vorhof nicht berücksichtigende Modell vor diesem kirchengeschichtlichen Ereignis. Das sich nun diese Theologen zumeist Vertreter einer Hermeneutik der Kontinuität nennen, bringt mich schon fast zum schmunzeln. Denn wenn man die über fast 2000 Jahre entwickelte römisch-katholische Theologie als eine im übertragenen Sinn salafistische wahrnimmt, sieht man zwangsläufig einen Bruch. Der Bruch geht zwar aus Ihrer Sicht nicht von der nachkonziliaren Theologie aus, sondern eben von dieser Minderheit, aber Bruch ist Bruch. Und wenn man dann eben berücksichtigt, dass diese Leute ja nun wirklich in keiner einzigen theologischen Disziplin irgendetwas anderes lehren, als bis zum heiligen Johannes XXIII. inklusive gelehrt wurde und man diese Lehre als radikal empfindet... Wirklich: Ganz, ganz dünnes Eis!

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    1. Na, ich will den vermutlich wirklich etwas grenzwertigen Bezug nicht verteidigen, zumal er wie alle Vergleiche sicher "hinkt". Aber mir ging es da nicht um eine Bewertung der theologischen Inhalte. Aber eine Überzeugung ist in mir doch gewachsen: die Piusbruderschaft ist für mich nicht der "heilige Rest" der Kirche in der sich eine Tradition von Jesus her sauber und unverfälscht erhalten hat. Daher passt der Salafismus - Vergleich nicht auf die Kirche des Jahres 1962 und deren Theologie. Auch weiß ich nicht, was von der salafistischen Theologie im Gesamtkontext des Islam nun wahr und was "Irrlehre" ist. Also, meine Bemerkung richtet sich mehr auf die Funktion der Piusbruderschaft heute im weiten Horizont des Katholizismus. Und da bin ich schon der Meinung, dass sie dort die Rolle einnimmt, die der Salafismus im weiten Horizont des Islam ausfüllt. Wobei sich eine Unschärfe sicher durch das Phänomen des Dschihadismus einstellt. Mit gewaltbereitem Kampf für den wahren Glauben hat die Piusbruderschaft nun wirklich nichts zu tun.

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  3. Schön, dass ich durch diesen - sicher etwas unangemessenen Vergleich - erfahre, dass es Leute gibt, die meine Texte wirklich lesen ;-).

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