Montag, 20. Juli 2020

Der Hl. Bruno – ein fast vergessener Sohn des hilligen Köln?

Neben dem Hl. Benedikt, dem Hl. Bernhard, dem Hl. Franziskus und dem Hl. Dominikus (um mal nur die Männer aufzuzählen) dürfte der Hl. Bruno (1031 – 1101) wohl einer der bedeutendsten Ordensgründer der katholischen Kirche sein. 


In ganz Europa gab es die sehr besonderen Kartäuserklöster, bis zur Reformation und auch darüber hinaus wurden zahlreiche Kartausen eröffnet. Der Orden erlebte eine dynamische Erfolgsgeschichte. Und während die Klosterdisziplin und die Befolgung der Ordensregeln in anderen Klöstern immer wieder zusammenbrach, so wird dies von den Kartäusern nur selten berichtet. Bei Bruno handelt es sich also um eine wirklich herausragende Gestalt der Kirchengeschichte. 

Ich schreibe das in dieser Weise, weil Bruno (was wohl viele nicht wissen) ein Kölner ist. Daher wäre es ja eigentlich zu erwarten, dass Köln ihn ehrt, so wie das Nursia mit Benedikt tut und Assisi mit dem Hl. Franziskus. Aber trotz aller Bemühungen konnte ich in Köln keine einzige Pfarrei mit seinem Patrozinium entdecken. Und auch im ganzen Erzbistum findet sich eine einzige St. Bruno-Kirche und das ausgerechnet in Düsseldorf. Ihr Patrozinium verdankt die 1964 erbaute Kirche hier wohl dem nahe gelegenen Kartäuserkloster, das aber just im Baujahr der heutigen Kirche aufgegeben wurde. Die Kartäusermönche zogen ins stille Allgäu.  

Ob es auch hier so ist, dass der Prophet im eigenen Land nichts zählt? 

Es mag vielfältige Gründe geben, warum die Verehrung des Hl. Brunos im Erzbistum Köln und überhaupt in ganz Europa außerhalb seines Ordens kaum Spuren hinterlassen hat. In der Stadt Köln lag das sicher auch an der Bedeutung des Domes und der Reliquien der Hl. Drei Könige. Die prägen die Kölsche Frömmigkeit, das Stadtbild, die Kunst über alle Maßen. Ein weiterer Grund wird darin liegen, dass Bruno zunächst nur im Orden selbst verehrt wurde. Erst die Wiederentdeckung seines Grabes im Jahre 1502 brachte einen gewissen Wandel. Bruno wurde nie formell heiliggesprochen, die Verehrung wurde dann 1514 von Papst Leo X. für den Orden und 1622 von Papst Gregor XV. für die ganze Kirche anerkannt. Also weit über ein halbes Jahrtausend nach seinem Tod. Das ist auch der Grund, dass es nur ganz wenige ältere Darstellungen Brunos gibt. So gehört ein im Kölnischen Stadtmuseum aufbewahrter Holzschnitt von 1520 zu den ältesten und stilprägenden Darstellungen  des Heiligen. 

Trotz vieler historischer Gründe wäre es sicher wünschenswert, wenn Köln oder wenn die Kirche in Deutschland ihren großen Sohn wieder für sich entdeckte. Man könnte spirituell hiervon sicher profitieren aufgrund des geistlichen Erbes des Kartäuserordens, in der Entdeckung der Stille und des Schweigens, für die rechte Balance zwischen Gemeinschaft und Einsamkeit, die geistlichen Schriften, z.B. des Dionysius Carthusianus, die Schlichtheit und Einfachheit des Lebens, der Treue zu  Gott, zu den eigenen Überzeugungen und eines eigenständigen Lebenswegs. Dem von Bruno gegründeten Orden verdanken wir die Überlieferung der Schriften der Devotio moderna; der mittelalterlichen Mystik, das Rosenkranzgebet und manches mehr. In vielen Städten erinnern Flur und Straßennamen an das Wirken des Ordens und an Niederlassungen der Kartäuser.  

So lade ich Sie, lieber Leser jetzt zu einer kleinen Wallfahrt auf den Spuren Brunos ein. 

Wenn wir dazu nach Köln kommen, dann kann diese Wallfahrt im Grunde auch nur im Dom beginnen. Man muss ein wenig suchen, um Brunos Spuren im Dom zu entdecken. Aber es gibt sie. So z.B. findet sich direkt unter dem Richterfenster eine Reihe von lebensgroßen Figuren. Meist überstrahlt vom Licht des berühmten Fensters sind sie nur schwer erkennbar. Die großen Figuren hat 1870 der Künstler Peter Fuchs geschaffen. Bruno steht dort in einer Reihe mit weiteren Ordensgründern. Von links nach rechts handelt es sich um folgende Heilige: Benedikt, Dominikus, Franziskus, Bruno von Köln, Ignatius von Loyola und Theresia. Über ihnen stehen Engelfiguren mit Schriftbändern, deren Worte sich auf die darunter dargestellten Heiligen beziehen. Das Schriftband des Engels über Bruno trägt den Begriff BONITAS (Güte) - entsprechend des von ihm überlieferten Gebetes "O Bonitas!". Bruno trägt einen großen Stern auf der Brust (in Erinnerung an eine Vision des Bischofs Hugo von Grenoble, der diesen zum Patron der Klostergründung Brunos werden ließ und heute auch das Ordenswappen prägt) und ist aufgrund seines typischen Ordensgewand ist leicht als Kartäuser zu erkennen. Den Dom selbst hat Bruno natürlich nie betreten, da mit seinem Bau erst 1248 begonnen wurde. 

Ein weiteres Mal hat den Hl. Bruno ausgerechnet ein Bayrischer König zurück in den Dom seiner Heimatstadt getragen. Das letzte Fenster im Hauptschiff, bevor das südliche Querhaus des Domes beginnt (wo die Bruno-Figur hängt) ist nur zur Hälfte ausgeführt. Gestiftet wurde es 1848 von König Ludwig I.. Hier entdecken wir ein eher kleines Brustbild des Ordensgründers.









Interessant ist für den Kartäuserfreund auch dieses Fenster: 

Es zeigt einen Mönch im Gewand der Kartäuser. Auch das Kreuz und der Stern auf der Brust scheinen auf Bruno zu verweisen. Aber es steht eindeutig darunter: "Bernhard von Clairvaux". Freundlicherweise hat die Dombauhütte (Frau Dr. Ulrike Brinkmann, Leiterin der Glasmalereiwerkstatt) mir auf meine Nachfrage ausführlich geantwortet: "Sie haben Recht: Die Figur des hl. Bernhard ist im Habit eines Kartäusermönches dargestellt. Dass Bernhard gemeint ist, ist allerdings sicher. Das Bildprogramm – abgestimmt mit dem damaligen Domkapitel – sollte im Mittelbild das Apostelkonzil zu Jerusalem zeigen und darunter herausragende Gestalten der vier großen Mönchsorden: Papst Leo IV. (Benediktiner), Bernhard von Clairvaux (Zisterzienser), Thomas v. Aquin (Dominikaner), und Johannes Fidanza, Ordensname Bonaventura (Franziskaner). Das „Petrusfenster“ oder “Apostelkonzil-Fenster“ ist eine Stiftung der Rheinischen Eisenbahngesellschaft und wurde 1876 im Dom eingesetzt. Den künstlerischen Entwurf und dessen Umsetzung auf Glas besorgten Mitarbeiter der königlichen Glasmalereianstalt in München. Mit dem ordensspezifischem Habit der Zisterzienser hat man es sichtlich nicht so genau genommen, vielleicht störte man sich auch an deren schwarzem Skapulier – eine „Unfarbe“ für Glasmaler. Offenbar hat das aber niemanden gestört, im entsprechenden Schriftverkehr im Archiv der Dombauverwaltung ist jedenfalls nichts zu finden. Dreißig Jahre zuvor hatte die königliche Glasmalereianstalt in München die fünf Fenster im südlichen Seitenschiff angefertigt (die sogenannten „Bayernfenster“), darunter das Johannesfenster, in dem, wie Sie selber bemerkten, ein Brustbild von Bruno dem Kartäuser zu sehen ist. Hier hat alles seine ikonografische Richtigkeit.
Nochmal zur Darstellung des hl. Bernhard im Petrusfenster: Der goldene Stern auf seiner Brust soll die Wirkung widerspiegeln, die der Anblick des Kruzifixus in Bernhard auslöste - eine Anspielung auf sein mystisches Kreuzerlebnis."

Nachdem uns die Gestalt des Heiligen nun in der Mutterkirche des Erzbistums Köln schon begegnet ist, verlassen wir die Kirche und gehen hinunter zum Rhein, der Lebensader dieser bedeutenden europäischen Stadt. Wir unterqueren am Rheinufer die Hohenzollernbrücke und erreichen nach einigen hundert Metern die romanische Kirche St. Kunibert. In ihrer heutigen Gestalt wurde sie erst vor wenigen Jahrzehnten wieder vollendet. In der in die Kirche integrierten Schatzkammer kann man ein kleines Reliquiar des Hl. Bruno entdecken. Es steht zwischen weiteren wertvollen Reliquiaren, eher unscheinbar auf einem Fuß aus Alabaster. Es erinnert daran, dass Bruno in den 30er Jahren des 11. Jahrhunderts in Köln geboren wurde, wie eine spätere Überlieferung sagt als Sohn einer bekannten Familie namens Hardefust. 

Bruno ging an St. Kunibert zu Schule und wechselte dann zu weiteren Studien nach Reims, damals das bedeutendste religiöse Zentrum Frankreichs. Später wurde Bruno auch Kanoniker an St. Kunibert, ohne hierfür dauerhaft in die Heimat zurückzukehren. Er begründete die Kartause bei Grenoble, heute das Mutterkloster aller Kartäuser und wurde dann von seinem ehemaligen Schüler, Papst Urban II. nach Rom gerufen. Das ihm angetragene Amt eines Bischofs lehnte Bruno ab, lieber gründete er ein weiteres Kloster in Kalabrien, wo er schließlich starb. Als im Rahmen der Säkularisation das Kartäuserkloster in Köln aufgehoben wurde, kam einer der übrig gebliebenen Mönche als Geistlicher nach St. Kunibert. Er, Pater Engelbert Marx vermachte das Reliquiar nach seinem Tod 1837 dieser Kirche. Leider konnte ich in St. Kunibert keine weitere Erinnerung an den Heiligen entdecken. 





Eine weitere Darstellung des heiligen Bruno findet sich am Rathausturm des Kölner Rathauses. Nach Kriegszerstörungen wurde das Bildprogramm neu entwickelt. In der oberen Etage finden sich in chronologischer Reihenfolge die „Schutzheiligen“ der Stadt, beginnend mit den Drei Heiligen Königen. Seite an Seite mit seinem Zeitgenossen dem Hl. Bischof Anno II. blickt die 1990 geschaffene Figur des Hl. Bruno auf der Westseite des Turms in Richtung Innenstadt und hat den Rhein und den Altermarkt „im Rücken“. Auf der Figur ist das Wappen der Kartäuser zu erkennen. Die Weltkugel, die vom Kreuz überragt wird und die 7 Sterne aus der Vision des Hl. Bischofs Hugo von Grenoble. Stat crux dum volvitur orbis („das Kreuz steht fest, während [solange] der Erdball [die Welt] sich weiterdreht“, so lautet der entsprechende Wahlspruch des Kartäuserordens.






Anfang Februar 1335 kamen sieben (!) Kartäuser aus Mainz nach Köln, um hier eine Kartause zu gründen. Auf dem gestifteten Gelände für das geplante Kloster bestand eine alte Kapelle, die der Hl. Barbara geweiht war. Diese Kapelle übernahmen die Mönche zunächst, sie gabe auch der Kartause bis zu ihrer Auflösung den Namen. Das Klostergelände lag unmittelbar hinter der Stadtmauer in entwickelte sich prächtig. Als Prioren des Klosters im Heimatort des Ordensgründers wuchs diesen ein beträchtliches Selbstbewusstsein zu. Nach und nach entstand die Klosterkirche, die kleinen Einsiedler-Häuschen der Mönche an einem großen Kreuzgang, ein kleiner Kreuzgang, der die Kirche mit den anderen Gebäuden des Klosters und dem Haus der Brüder verband. Und auch eine lange Klostermauer, die in großen Teilen bis heute erhalten ist. 1451 verbrannte die komplette berühmte Bibliothek mit kaum ersetzbaren Büchern, das Herz des Klosters. Die Mönche setzten alles daran, sie wieder aufzubauen und betrieben sogar eine frühe Druckerpresse im Kloster. Die Säkularisation setzte dem Kloster ein Ende, die Mönche mussten das Kloster aufgeben, 1802 wurde es – wie viele andere Klöster aufgehoben. Einem der damals aus dem Kloster vertriebenen Mönche Franz Karl Gereon Marie Farina verdankt die Stadt Köln das Rezept für das „Kölnisch Wasser / 4711“. Zunächst wurde das aber als Heilmittel vertrieben, erst ein französisches Gesetz, das die Offenlegung von „Geheimrezepten“ verlangte sorgte für eine Wandlung zum „Duftwasser“. 

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts übertrug man die zwischenzeitlich militärisch genutzten Gebäude und große Teile des Geländes einschließlich der Klosterkirche der ev. Stadtgemeinde Kölns. Die sorgte für eine Renovierung der noch bestehenden Gebäude, die dann allerdings im 2. Weltkrieg erhebliche Schäden erlitten. So ist es bemerkenswert und auch dem Engagement der evangelischen Mitchristen zu verdanken, dass heute noch nennenswerte Teile der Klosteranlage vorhanden sind. So die Klostermauer und in ihr drei von vier Andachtsbildern, die Klosterkirche mit der Marien- und Engelkapelle und der ehemaligen Sakristei, Teile des kleinen Kreuzgangs, ein kleiner Teil des großen Kreuzgangs, das Kapitelhaus, das ehemalige Küchenhaus und auch das große Brüdergebäude, das heute der ev. Kirchenkreis nutzt. Auf diese Weise kann man sich noch heute einen gewissen Überblick über die Klosteranlage verschaffen. Ein Besuch lohnt unbedingt. Ebenso die Lektüre des in der Kartäuserkirche angebotenen Ausstellungskatalogs „Die Kölner Kartause um 1500“, der an eine umfassende Ausstellung von 1991 erinnert. Das damals ausgestellte Klostermodell steht noch in einer Seitenkapelle. 
























Es war ein Lebenstrauma der verbliebenen Kartäuser, die am 23. Oktober 1794 die Weisung bekamen, ihr Kloster binnen 24 Stunden zu räumen. Sie konnten gerade wenig mehr als ihr Archiv und einige Teile des Kirchenschatzes in Sicherheit bringen, als sie miterleben mußten, dass Kölner Bürger das Kloster gerade plünderten und mitnahmen, was ihnen verwendbar erschien. Vieles wurde dabei zerstört. Ein Teil der Bücher und Kunstwerke (Bilder, Altäre, Fenster) kam in andere Kirchen und Klöster. Im Ausstellungskatalog von 1991 sind viele dieser Werke verzeichnet. So wäre ein Besuch des Museums Wallraf unweit des Kölner Rathauses sicher auch eine gute Station dieses Pilgerweges. Einige der dort überlieferten Bilder zeigen auch den Hl. Bruno selbst und andere Heilige des Ordens, wie den hl. Hugo von Lincoln. Im Museum Schnütgen werden weitere Erinnerungen an die Kartäuser bewahrt, wie z.B. dieser Chormantel. In St. Mauritius befindet sich ein Reliquiar mit der Darstellung des Hl. Bruno bzw. eines Kartäusers.


In die Kölner Kirche St. Severin, die nicht weit vom Kloster entfernt liegt, brachte man einen Zyklus von Bildern aus dem Leben des Hl. Bruno. Diese Bilder (ca. 162 x 153 cm groß) malte Peter Joseph Schmitz 1753 nach dem Vorbild der im 17. Jahrhundert für die Pariser Kartause gemalten 22 Bilder des Lebens des Heiligen. Als Vorlage nutzte er damals verbreitete Kupferstiche aus dem Jahr 1680, die aber seitenverkehrt waren, so dass auch die Bilder nun seitenverkehrt sind. Aus den Szenen wählte er folgende Motive aus: 


1. Die Legendes des Raymond Diocrès. Bei dessen Beerdigung soll Bruno anwesend gewesen sein. Der geschätzte und tote Theologe soll sich während der Trauerfeier viermal aufgerichtet und damit seine verborgenen Sünden eingestanden haben. 
2. Bruno lehrt in Reims (und kniet betend vor einem Altar)
3. Bruno zieht mit 6 Gefährten in die Einsamkeit, Engel weisen ihnen den Weg
4. Erzbischof Hugo von Grenoble begrüßt die sieben und führt sie in das Tal der Chartreuse (wovon der Orden bis heute seinen Namen herleitet)
5. Einkleidung Brunos
6. Bruno trifft seinen ehemaligen Schüler Papst Urban II.
7. Bruno lehnt das ihm angebotene Erzbistum ab. 
8. Brunos Tod.









Von daher bietet es sich an, bei einer Wallfahrt auf Brunos Spuren in Köln nach einem Besuch der Reste der Kartause hier in St. Severin den Pilgerweg vor dem 8. Bild des Todes des Hl. Bruno zu beschließen. 




Ich glaube, es ist nicht übertrieben im Blick auf das Leben des Hl. Brunos und die Bedeutung des von ihm gegründeten Ordens, diesen Mann für einen der bedeutendsten geistlichen Söhne der Stadt zu halten. Gibt es noch einen anderen Kölner, der durch sein Wirken die letzten 1.000 Jahre der Geschichte der katholischen Kirche wesentlicher beeinflusst hat? Vielleicht fällt ihnen ja noch jemand ein. Mit dieser Frage möchte ich aber keineswegs die Bedeutung irgendeines anderen heiligmäßigen Menschen schmälern, zumal in Köln ja zu Recht an das Wirken des Hl. Thomas von Aquin, an den Hl. Albertus Magnus, an den Hl. Johannes Duns Scotus, an Adolf Kolping, viele bedeutende und hl. Bischöfe aber auch an die Hl. Ursula und ihre Gefährtinnen, die Hl. Edith Stein und viele andere heilige Frauen erinnert wird. 

Aber es wäre doch schön, wenn sich Köln wenigstens ab und an mit Stolz und Glaubensfreude an den große Sohn der Stadt erinnerte und ihn aus dem Schatten vieler anderer Persönlichkeiten etwas mehr ins Licht stellte. Auch und gerade in der heutigen, schwierigen Zeit der Kirche.

Hl. Bruno - bitte für uns!
Hl. Guigo de Castel - bitte für uns!
Hl. Hugo von Lincoln - bitte für uns!
Hl. Hugo von Grenoble - bitte für uns!
Hl. Märtyrer des Kartäuserordens - bittet für uns!

Die Kartäuser selbst streben keine Heiligsprechungen ihrer Mitbrüder an. Die Initiative zur Heiligsprechung der obigen Ordensheiligen ging von anderen Personen aus. 

P.S.: Übrigens, auch außerhalb Kölns sind St. Bruno – Kirchen und Kapellen weit seltener als die baulichen Reste von Klöstern der Kartäuser. So ist die Kirche des Dorfes Lünten, das zu meiner Heimatstadt Vreden gehört, dem Gründer der Kartäuser geweiht. Der Wahlspruch der Kartäuser ziert den Kirchturm der Marienkirche in Dinslaken-Lohberg. Gerne können Sie mir noch weitere Hinweise geben. Im Bistum Münster bestanden Kartausen in Dülmen – Weddern und in Wesel, später in Xanten. Insgesamt wurden im Laufe eines knappen Jahrtausends etwa 275 Kartausen gegründet, heute sind davon noch 21 Kartausen vorhanden, davon vier für Frauen und 17 für Männer geblieben. Nach der Aufhebung aller 18 deutschen Kartausen wurde nach der Säkularisation eine neue Kartause in Düsseldorf-Unterrath gebaut, die aber 1964 aufgrund der Erweiterung des dortigen Flughafens geschlossen und nach Seibranz ins Allgäu verlegt wurde. 

Samstag, 18. Juli 2020

Du musst draußen bleiben! - die Botschaft der Gitter

Meine Affinität zum Klosterleben ist ja Manchem hier schon vertraut. So nehme ich mir ab und an einige Tage frei, um im Umfeld eines kontemplativen Klosters Zeit für Glaubensdinge zu haben. Die Gebets- und Gottesdienstzeiten im Kloster geben dafür einen guten Rahmen. 

In diesem Corona-Jahr wollte ich nicht so weit fahren, daher war ich froh, dass die Benediktinerinnen vom Heiligsten. Sakrament in Köln-Raderberg noch ein Gästezimmer im Dachgeschoss frei hatten. Nach der Morgenmesse konnte ich mich dann aufs Fahrrad schwingen und geistliche Orte in Köln besuchen. Und es hat sich gelohnt! Ihr werdet in den nächsten Tagen mehr davon lesen und sehen. 

Unter Anderem deswegen war es ein anregender Ausflug: 
Vor Kurzem wurde in Köln nämlich ein neues großartiges Kunstwerk präsentiert und eingeweiht. Nein, ich meine nicht das neue Kirchenfenster von Prof. Markus Lüpertz in St. Andreas. Darauf komme ich noch. Nein, ich meine das neue, schmiedeeiserne Gitter an Nordquerhausfassade (was für ein schönes Wort) des Kölner Doms. Für „normale“ Leute – das ist die Seite zum Hauptbahnhof hin. 

Da ist nun eine extrem schöne Schmiedearbeit zu besichtigen. Ein kürzlich leider viel zu früh verstorbener Freund von uns war Schmied mit Leib und Seele. Ein echter Künstler! Und daher weiß ich inzwischen die Schmiedekunst sehr zu schätzen. Man geht ja oft achtlos an Gittern vorbei. Aber seit ich Lutz kenne, habe ich immer noch mal genauer hingesehen. 

Ein Gitter an der Domfassade war ja wirklich bitter nötig. Wer erinnert sich nicht an die Aktion der Roten Funken, der Kölner Karnevalisten, die den Dom 2016 „umarmt“ hatten, um ihn gegen Vandalismus und Wildpinkler zu schützen. In der Tat sind diese Seiten des Doms sensible Plätze und die Schäden, die hier von Betrunkenen und sonstwie Gestörten angerichtet wurden sind immens. 
Ihre Verbundenheit mit der Kirche wollten mit einem ähnlichen Zeichen im vergangenen Jahr auch die Kölner Frauen mit einer herzlichen Domumarmung zeigen (verbunden mit der Forderung, Frauen in der Kirche Zugang zu Ämtern zu gewähren). 

Geschaffen hat das neue Gitter der Kunstschmied Johannes Nagel, der schon am Gitter auf der gegenüberliegenden Seite des Domes beteiligt war, das sein Vater Paul Nagel 1996 fertig stellte. Man merkt, dass die Gitter eine verwandschaftliche Beziehung haben. Das neue Gitter steht dem vorhandenen Gitter am südlichen Querhaus in Nichts nach. Großartige Schmiedekunst mit putzigen Details. Zeigt das ältere Gitter die Silhouette eines Bischofs mit abwehrender (oder mahnender) Hand, so wirkt die hier präsente Silhouette des Dompropstes Gerd Bachner eher freundlich und gemütlich. Insider wissen, dass Bachner einmal die Kreuzblume des Domes in 157 m Höhe bestiegen hat und dass diese Darstellung auch daran erinnern soll. Überhaupt zeigt das Gitter viele florale Motive und die Silhouette des Domes mit der Jahreszahl 2020. An den verstorbenen Vater des Künstlers erinnert ein auf dessen Entwurf zurückgehender Rabe, kombiniert mit einer Figur des tanzenden Todes, Symbol der Sterblichkeit aber auch der Auferstehungshoffnung.

»Meine Aufgabe habe ich darin gesehen, einerseits einen schützenden ›Schleier‹ vor den Dom zu stellen, den man im besten Fall ›nicht sieht‹“ und einen „verlorenen Zwischenbereich, beim Übergang vom öffentlichen zum liturgischem Raum, wiederherzustellen«“

Mir tut der Schmied leid. Denn die Vorstellung seines Kunstwerks (an dem er mit seinen Mitarbeitern sicher viele Monate mit aller Kraft gearbeitet hat) kam in der Öffentlichkeit nicht gut an. Angesichts von Coronakrise, Kirchenkrise und der anhaltenden Diskussion um die Rolle der Frau in der Kirche und notwendige Reformen weiht das Erzbistum Köln feierlich ein Gitter ein. Viele hielten das für eine gelungene Satire des „Postillion“. 

Maria 2.0 protestierte während der Gittersegnung mit dem Slogan: "Segnet Menschen, keine Gitter!" und sogar auf katholisch.de war zu lesen: „Während anderswo die beispiellos hohen Kirchenaustrittszahlen diskutiert werden, segnet in Köln anlässlich des Patroziniums der Hohen Domkirche St. Petrus der Dompropst emeritus höchstselbst – ein Metallgitter.“ und „Die Gitter-Segnung sollte wohl schöne Bilder liefern. Fromme volkskirchliche Folklore, eine Kernkompetenz der Kirche. Bezeichnend ist, was die von der Pressestelle des Doms verbreiteten Bilder zeigen: Eine Gruppe älterer Herren in schwarz, die sichtlich Freude an ihrer kleinen Feier haben und mit sich zufrieden sind.“

Was soll man sagen? Ich kann nach einer Woche in Kölner Kirchen das Fazit ziehen: Wenn sie etwas können in Köln, dann sind es Gitter! „Köln ist groß in Gittern!“

Aber ich will es mir nicht allzu billig machen, was die Gitter angeht. Schließlich durfte ich in dieser Woche manche dieser Gitter durchschreiten, vor manchen Gittern musste ich stehen bleiben und durfte nicht hindurch, durch andere Gitter konnte ich Einblick nehmen. Manche Stunde habe ich vor oder hinter Gittern verbracht und konnte mir einige Gedanken dazu machen, ob es wirklich so ist, dass die Kirche sich hinter Gittern verschanzt, mit mentalen und theologischen Gittern Menschen aussperrt und ausgrenzt oder ob gar manche Kirchenleute besser hinter Gitter gehören. 

Auch dürfen wir nicht naiv sein. Kirchen brauchen Schutz. Gerade die vielen Fälle von Vadalismus in Frankreich, aktuell auch die Brandstiftung in Nantes zeigen, dass nicht jeder Besucher einer Kirche ein harmloser Beter ist. Aber diese sind noch immer der beste Schutz, wenn sie ein Auge auf ihre Kirche haben. Daher kommt es darauf an, dass möglichst viele Menschen sich mit ihrer Kirche identifizieren, dass sie dort mit ihren Sorgen, Hoffnungen, Plänen und Meinungen ein Wirkliches zu Hause haben. Es ist auch schön zu sehen, wenn Menschen für ein kurzes Gebet und eine Kerze in einem bestimmten Anliegen ihren Alltag kurz unterbrechen. Wie schön ist es, wenn Menschen die Kirche in ihre Mitte nehmen und sie „umarmen“. Ein Gitter macht diese Geste und damit das Engagement der Menschen überflüssig. Auch das ist ein Signal, das man nicht leichtfertig senden sollte. 

Es ist so: Gitter senden psychologisch Signale aus. Das Gitter an der Südquerhausfassade des Domes z.b. hat mich schon immer irritiert. Angesichts des imposanten Gebäudes verschwindet es in der Wahrnehmung tatsächlich zunächst. Tritt man aber näher, so hält es einen deutlich auf Abstand. Da finde ich es in Münster (und andernorts) besser, dass man den Dom von verschiedenen Seiten betreten kann. In Köln muss wohl – aufgrund des touristischen Andrangs – der Zutritt besser geregelt werden. Trotzdem, es ist bleibt eine ambivalente Erfahrung. Ein Gitter ist nicht einfach ein funktionaler Gegenstand, nicht nur ein Ding sondern ein Symbol. Daher war es schön, bei der Amtseinführung des Kölner Erzbischofs Wölki einmal diesen sonst verschlossenen Raum betreten zu dürfen. Ich weiß natürlich, dass sich alle Gitter in Köln zu gewissen Zeiten und für gewisse Leute öffnen, die eine Aufgabe und einen Schlüssel haben. Aber die Perspektive eines nicht privilegierten Besuchers halte ich durchaus für bedenkenswert für all jene, die über Schlüsselgewalt verfügen. 

In fast jeder Kirche Kölns findet sich im hinteren Bereich ein mehr oder minder altes und kunstvolles Gitter. Eine der rühmlichen Ausnahme ist die völlig gitterfreie romanische Kirche St. Kunibert. Meist sind diese Gitter geöffnet, aber in einzelnen Kirchen sind sie beinahe immer geschlossen. Es sei denn, der inner(st)e Zirkel versammelt sich hinter ihnen zur Messe. Als Kirchenbesucher oder Tourist steht man vor diesem Gitter und kann das Innere der Kirche nicht betreten. Man kommt zwar rein (wenn man die großen Tore durchschritten hat), aber dann geht es nicht weiter. Auch Plätze der Andacht sind nicht immer vorhanden. Manchmal hat man einen der hässlicheren Altäre nach hinten gestellt. Wenn man Glück hat, findet man ein schönes Marienbild an dem Kerzen entzündet werden können. Immerhin. Man muss dem Hl. Alfons geradezu dankbar sein, dass er uns mit seinen Redemptoristen und deren Gemeindemissionen das Gnadenbild der „Gottesmutter von der immerwährenden Hilfe“ vermittelt hat. Davor kann man oft andächtig eine Kerze anzünden oder auch schon mal vor einer Antoniusfigur oder dem in Köln sehr beliebten Bild des Apostels Judas Thaddäus. 

Das Zeichen eines geschlossenen Gitters ist allerdings fatal. Wenn ich hinten in der Kirche bleiben muss, dann fühle ich mich ausgeschlossen und nicht zugehörig erst wenn mich mindestens das Mittelschiff der Kirche umschließt dann bin ich wirklich drin. Besonders ärgerlich sind da für mich die Gitter in St. Mariä Himmelfahrt (hinter dem Hauptbahnhof) und St. Aposteln, eine der 12 romanischen Kirchen am belebten Neumarkt. Da bin ich gleich mehrfach hingefahren und kam doch nie hinein. Im Kirchenraum gab es meist Vorbereitungen für geistliche Events – aber niemand nutzte die Gelegenheit den Raum für Beter freizugeben – obwohl doch „Aufsicht“ vorhanden war. Ich kann nicht sagen, ob das immer so ist. Ich fand es extrem enttäuschend. Und sehr symbolisch!

Dabei habe ich kaum ein Problem mit der Tatsache, dass die meisten Altarräume nicht frei begangen werden können. Das ist zwar auch schade, weil hier häufig interessante geistliche Kunst aufbewahrt wird. Aber der Altarraum ist schon ein heiliger Ort, der mit einer angemessenen Andacht aufgesucht werden sollte. Selbst dort, wo es leicht möglich war (in St. Ursula und St. Gereon) empfinde ich diesen Raum als „heilig“ und betrete ihn nicht einfach so. Eher zum Gebet. 

Hier kann ich ja sogar einem Lettner etwas abgewinnen. Im Mittelalter teilte dieser die Kirchen in unterschiedliche Bereiche. Der eigentliche Altarraum war nur für die Ordensschwestern oder Stiftsherren zugänglich, hier wurde die Messe gefeiert. Der Lettner diente unterschiedlichen Zwecken. In Köln finden sich in den Kirchen St. Maria im Kapitol und St. Pantaleon zwei solche Lettner. Beide dienen als Orgelbühne und Baldachin über dem heutigen Zelebrationsaltar. In St. Pantaleon tut sich hinter dem gotischen Lettner ein kleiner Altarraum auf, in dem kleinere Gruppen den Gottesdienst feiern könnten (ähnlich wie im Kölner Dom). In St. Maria im Kapitol findet sich ein Lettner im Stil der Renaissance. Er steht heute wieder am alten Ort und schließt das Hauptschiff ab, hinter ihm öffnen sich die großartigen Konchen der romanischen Basilika, die weit mehr Raum als das Hauptschiff bieten. Die Idee des Letters erinnert an die orthodoxen Kirchen in denen der Altarraum als Raum des Allerheiligsten durch eine prächtige Bilderwand, die Ikonostase abgeschlossen wird. Die heilige Liturgie dahinter kann man durch Türen dennoch verfolgen. Lettner und Ikonostase zeigen, dass ein solcher Raum etwas Besonderes ist, dem Alltäglichen enthoben, ein Raum den man für das Gebet und die Anbetung Gottes betritt. Auch in den modernsten Kirchen ist der Altarbereich durch Stufen oder einen gestalteten Boden herausgehoben, so dass man ihn nicht einfach locker betritt ohne einen guten Grund zu haben. Darin entdecke ich wirklich einen spirituellen Mehrwert. Hier würde mich auch ein schön gestaltetes Gitter nicht stören. 

Bei den Benediktinerinnen gibt es übrigens auch Gitter. In früheren Zeiten hatten sie sicher den ganz handfesten Sinn, die Gemeinschaft vor Menschen, die Böses wollen zu schützen. Heute tritt diese praktische Funktion stärker hinter der Symbolik zurück. Das Gitter trennt den Klausurbereich vom Bereich der Besucher und Gäste. So ist an die Klosterkirche seitlich eine Kapelle für Besucher von außen angebaut. Durch das Gitter hat man von der Seite her einen guten Blick auf den Altar, kann aber die Schwestern selbst nicht sehen. Dieses Gitter öffnen die Schwestern inzwischen zu den Gebetszeiten, am Sonntag finden die Besucher auf Stühlen im Altarraum und auch zwischen den Chorgestühlen Platz, auch während der Stundengebete kann man im Altarraum – auf Abstand zur Schwesterngemeinschaft mitbeten. Das ist eine adäquate Lösung um Nähe und Gastfreundschaft  zu signalisieren und trotzdem die Abgeschiedenheit und Klausur zu wahren, als privaten Raum der Schwestern, die als Gemeinschaft zusammen entscheiden, wie weit sie sich öffnen. Hier stellt man einige Gästezimmer zur Verfügung, lädt die Besucher zum Gottesdienst ein und zur Begegnung nach dem Sonntagsgottesdienst im Garten, es gibt Sprechzimmer und einen Versammlungsraum für Besuchergruppen. Einige Schwestern bieten sogar Beratung und Supervision an. 

Die Schwestern sind wirklich nicht weltfremd. Sie wissen, dass draußen in der Welt nicht nur gute Menschen leben und dass es auch Menschen gibt, die für den eigenen Vorteil auch vor schlechten Tagen nicht zurückschrecken. Es ist manchmal gut, wenn man sich böse Menschen durch ein schützendes Gitter vom Hals halten kann. Niemand kann so leicht stehlen, was mir wichtig, was mir lieb und teuer ist. Und niemand kann mich angreifen und verletzen. 

Noch etwas ist schön an einem Gitter: weil es transparent ist, kann ich sehen, wer auf der anderen Seite steht. Ich kann Kontakt aufnehmen und mich auf ihn freuen, aber ich kann ihm auch in Ruhe die Zeit lassen, näher zu treten. Selbst mit aggressiven Menschen ist Kommunikation möglich. Das geht selbst mit modernen Türen aus Sicherheitsglas nicht so komfortabel wie mit dem guten alten Gitter. 

Ein Gitter ist immer noch besser als verschlossene Türen einer Kirche. Und ein Gitter zeigt ja durch seine Transparenz auch offen, was sich dahinter (an hoffentlich Schönem) befindet. Wer aber nicht näher treten darf, der erlebt seine Machtlosigkeit, ihm werden die Grenzen aufgezeigt. Das schmerzt besonders, wenn dieses Signal von denen in der Gemeinschaft ausgeht, die das Sagen haben und wenn es mich aussperrt, obwohl ich zu dieser Gemeinschaft gehöre. (Vielleicht bräuchten wir einen Beterschlüssel - so wie es ihn für Toiletten für Menschen mit Behinderungen gibt.)

Das Gitter ist ein gutes Symbol für die Situation der Kirche in der heutigen Zeit. Wir dürfen die Menschen nicht draußen halten! Wir können Gitter vielleicht sogar als Zeichen dafür nutzen, dass bei uns nichts hinter verschlossenen Türen und im Dunklen geschieht. Man kann gucken, ohne dass man gleich hineingezogen wird. So schützen die Gitter ja auch Menschen, die nur mal reinschauen wollen. Durch ein Gitter kann man gut sehen, hören und riechen, sogar fühlen und anfassen wäre möglich. 

Aber es muss eine Möglichkeit geben, das Gitter zu öffnen. Warum nicht eine Tür die mich einlässt, wenn ich sie kenne - oder finde? So war das immer in Mariawald, eine Tür für Beter stand offen. Jeder konnte für sich selbst entscheiden, ob er beten möchte. Oder im Kölner Dom, wo man als Beter ein Tor zur Sakramentskapelle durchschreiben darf. (Bemerkenswert: trotz eines gut gefüllten Doms blieb ich dort allein mit dem Herrn.) 

Es ist allemal besser, wenn Gitter weit offen stehen, damit ich so das Signal bekomme: Ja, wir freuen uns, wenn Du eintrittst. 

Es ist und bleibt so: Ein Gitter ist nicht einfach ein Ding, jedes Gitter ist ein Symbol, das mit Bedeutungen aufgeladen ist. Es kommt darauf an, dass die Gestaltung, die konkrete Nutzung und die öffentliche Präsentation der Gitter den richtigen Akzent setzen. 

Besser als: „Wir müssen draußen bleiben“ sollten sie die Botschaft eines Liedes aus Taizé vermitteln: „Bei Gott bin ich geborgen, still, wie ein Kind bei ihm ist Trost und Heil. Ja, hin zu Gott verzehrt sich meine Seele, kehrt in Frieden ein.“

In manchen Kölner Kirchen und auch im Kloster der Benediktinerinnen in Raderberg durfte ich das in diesen Tagen erfahren. Dafür sage ich Danke! und Vergelt's Gott!

Hier einige Fotos vom neuen Nordquerhausgitter: 












Hier die Bilder vom Südquerhausgitter: 







Und noch einige weitere Gitter (und andere Motive), die im Text eine Rolle spielen. Das Schöne bei Gitter ist für den Fotografen, dass sie meist so weit sind, dass man hindurch fotografieren kann. Und anders als beim Sicherheitsglas spiegelt da nichts.











Montag, 15. Juni 2020

Ja, wir haben versagt!

Die Kirche hat in der Coronakrise versagt! Da waren sich ausnahmsweise viele einig. Der kirchenkritsche Journalist, der stramm konservativ-katholische Publizist und die ehemalige Ministerpräsidentin von Thüringen. Schon als die Aktiven in den Gemeinden noch alle Hände voll zu tun hatten, den „Shutdown“ der Gemeindearbeit zu organisieren und gleichzeitig erste kreative Ideen entwickelten setzte ein Artikel im Südkurier den Ton, der dann von jenen aufgegriffen wurde, die es skandalös fanden, dass die Kirche sich von Staat und Behörden bis ins Allerheiligste, bis in die Sakramentenspendung herein reden ließ. Not lehrt nicht beten, spottete die Journalistin Christiane Florin und konstatierte: „Not lehrt Basteln. Not lehrt Bauen. Not lehrt Grillen.“ Sogar Bischöfe zeigten sich gekränkt, weil Baumärkte öffneten - während den Kirchen offenbar die „Systemrelevanz“ abgesprochen wurde. 

Ja, ich glaube, man kann aus der Coronakrise und den begleitenden Debatten lernen. Aber dazu brauchen wir Distanz und Gelassenheit. Natürlich ist vieles falsch gelaufen und aufgrund der behördlichen Vorgaben, war die Kirche zunächst stark auf ihre Hauptamtlichen zurückgeworfen. Das breite ehrenamtliche Engagement wurde jäh ausgebremst. Das war (und ist) an allen Ecken und Ende zu spüren.

Offenbar wurde aber auch: die Kirche ist nur begrenzt „systemrelevant“. Als Kirche wurden wir behandelt, wie jeder andere Verein. Das war für Viele kränkend. Als Antwort auf diese Kränkung empfehle ich: „nicht auf die Barrikaden gehen“. Das Pochen auf gesetzliche Privilegien rettet uns nicht. Die Krise deckt auf, dass wir seit Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung verlieren. Als gesellschaftlicher „Player“ und – schlimmer noch – für die einzelnen Menschen. Wir sollten uns daher fragen, für welches „System“ wir als Kirche relevant sein möchten. 

Die Corona-Krise trifft die Kirche im innersten Kern. Worum geht es, in allem, was wir tun? Wir bringen Menschen zusammen. Wir möchten, dass Menschen sich nahe kommen, füreinander sorgen und gemeinsam auf den Spuren Jesu durchs Leben gehen. Und wir möchten, dass Menschen Gott nahe kommen. Es geht uns um Nähe und Berühung. 

Die Systemrelevanz der Kirche ist – dass sie dem einzelnen Menschen nahe sein will. Dass sie an seiner Seite sein will. Dass sie hilft, dass Menschen Gott als nah erfahren können. Unter Coronabedingungen ist das Versagen der Kirche unausweichlich. Wo Distanzierung die Norm ist und Nähe und Begegnung minimiert werden muss, fehlt die Herzmitte des kirchlichen Lebens. Und trotzdem sollten wir tun, was verantwortbar ist und mit Hilfe des Gottesgeistes kreativ sein. 

Mich berührt in diesen Tagen nur Kritik, die offen legt, wo Kirche gegen ihren Grundauftrag verstoßen hat, Menschen und Gott nahe zu sein. Völlig irrelevant ist für mich Kritik, die sich an mangelnder Stärke und gesellschaftlicher Relevanz der Kirchen abarbeitet. 

Seien wir ehrlich! Wo wird außerhalb des volkskirchlichen Milieus noch ein Priester gerufen, wenn ein Mensch aufs Sterben zugeht. Bei allen kreativen Neuaufbrüchen boomt der Markt der Ritendesigner, Trau- und Trauerredner. 

In all den Debatten der Coronakrise gibt es einen Satz, der mich geistlich berührt hat und der uns „Leitstern“ sein kann auf der Suche nach dem zukünftigen Weg der Kirche nach Corona. Er stammt ausgerechnet von einem Politiker: „Wir werden einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen.“ Gesagt hat das auf dem Höhepunkt der Krise der Gesundheitsminister Jens Spahn.

Wir dürfen als Kirche offen bekennen: „Wir haben versagt.“ Und wir können das sagen, weil in der Krise viele gegeben haben, was sie konnten. Manches hat gut geklappt und Anderes ist in die Hose gegangen. Wir sind und bleiben als Kirche eine Gemeinschaft von fehlerhaften Menschen. Und nur als solche können wir barmherzig mit Anderen sein. 

Wenn wir mit mehr Demut und Bescheidenheit aus der Krise kommen, dann ist mir um die Kirche nicht bange. Wir brauchen keine „Systemrelevanz“. Nur für den Glauben und die Hoffnung des einzelnen Menschen müssen wir bedeutsam sein. In diesem Sinne bitten wir um Vergebung und schenken sie auch.